Unterwegs im VW Golf GTI G60

Zusammen mit Karla von doctor-speed.de hatte ich vor ein paar Tagen die Gelegenheit, bei der Oldtimer-Rallye Köln Historic zu starten. Unser Einsatzgerät war ein VW Golf GTI G60 aus dem Bestand von Volkswagen Classic. Das war für mich auch eine kleine Zeitreise. Denn Anfang der 1990er-Jahre war ich selbst GTI-Fahrer.

Tom im VW Golf GTI G60

Unterwegs im VW Golf GTI G60

Wobei ich “nur” einen – formal – 112 PS starken Sauger hatte. Nicht ganz neu, aber damals mein ganzer Stolz. Mit einer anderen Nockenwelle (276°), einen geplanten Zylinderkopf und -block, einem Fächerkrümmer und einer Sportauspuffanlage trieben mein Großvater und ich die Leistung meines GTI allerdings etwas nach oben. Später folgten auch noch ein optimierter Zylinderkopf, ein erleichtertes Schwungrad, eine andere Kraftstoffpumpe und ein Weber-Doppelvergaser.

Trotzdem träumte ich damals vom VW Golf GTI G60!

Doch irgendwie sollte das mit dem G60 nie klappen. Nur im Conrado G60 eines Kollegen bin ich mal mitgefahren. Irgendwann, man wird älter, kam ich schließlich ganz vom Weg “GTI” ab, fuhr Audi und bin bis heute regelmäßig mit allem Möglichen unterwegs. Deshalb war ich sehr gespannt auf den Start bei der Köln Historic. Denn irgendwie ist das noch eine offene Rechnung. Irgendwo tief in mir verspüre ich immer eine gewisse Sehnsucht nach dem G60, denn so ganz geht das GTI-Gen in einem Petrolhead wie mir wohl nie verloren.

Mehr von der Köln Historic 2016 findet Ihr bei 1300ccm.de. Dort hat Karla den Tag mit nur mit der Kamera begleitet, sondern ihr Debüt als Beifahrerin bei einer Oldtimer-Rallye auch launig zusammengefasst.

Als ich jetzt bei der Köln Historic endlich den Platz am Lenkrad des VW Golf GTI G60 übernehmen konnte, war das ein sprichwörtliches “nach Hause kommen”. Der Golf von 1989 war mir sofort wieder vertraut. Auch wenn das Lenkrad in einem Auto, das wie der Golf II 1983 seine Premiere feierte, im Vergleich zu heutigen Modellen ziemlich tief steht. Mir fällt auf, dass weder eine Höhen- noch eine Längsverstellung des Lenkrads gibt. Heute auch in der Kompaktklasse längst eine Selbstverständlichkeit.

Auch die Einstellmöglichkeiten der Sitze sind – aus heutiger Sicht – ziemlich bescheiden. Denn der Sitz lässt sich vor und zurück schieben, dazu ist die Neigung der Sitzlehne einstellbar. Und als besonderen Luxus verfügt der GTI des Jahrgangs 1989 über höhenverstellbare Sitze. Wobei diese Bezeichnung etwas in die Irre führt. Eigentlich lässt sich der Sitz nur hinten absenken. Je weiter man den Sitz also “herunterfährt”, um so steiler steht die Sitzfläche.

Wie fährt sich der VW Golf GTI G60 von 1989?

Trotzdem finde ich selbst mit meinem überdurchschnittlich langen Körper irgendwie Platz hinter dem Lenkrad. Nach einer kurzen Pause, in der ich auf dem Fahrerplatz in Erinnerungen schwelge, drehe ich – mit gut 25 Jahren Verspätung – endlich den Zündschlüssel um und starte den Motor. Der Klang kommt mir sofort vertraut vor. Daran ändert selbst der G-Lader, der die Geräusche auf der Ansaugseite etwas dämpft, nichts.

Ich trete die Kupplung, lege den ersten Gang rein, lasse die Kupplung langsam ausrücken und fahre an. Für einen Moment bin ich wieder Anfang 20 … doch das stimmt natürlich nicht! Wir schreiben 2016 und der Neuwagen von 1989, den ich mir damals nicht leisten konnte, ist längst ein Klassiker. Das macht ihn auf dieser Oldtimer-Rallye zum perfekten Einsatzgerät, obwohl der Golf hier zu den jüngsten Vertretern seiner Art gehört. Die Mehrzahl der Fahrzeuge bei der Köln Historic ist dann doch etwas älter.

Unterwegs in VW Golf GTI G60

Mit dem VW Golf GTI G60 in der Eifel unterwegs …

Auf der Strecke der Köln Historic, die Karla in unserem großen Auto-Blog wunderbar zusammengefaßt hat, schlägt sich der Golf – trotzdem oder deswegen – wacker. Auf der Autobahn, auf der die Strecke aus Köln heraus in die Eifel führt, ist der Unterschied zum Neuwagen gar nicht so groß. Sicherlich, es gibt mehr Geräusche. Alte, Pardon ältere Autos sind lauter als unsere heutige Fahrzeuge. Dazu verdient die Servolenkung, zumindest aus heutiger Sicht, fast nicht ihren Namen.

160 PS Leistung und 225 Newtonmeter Drehmoment treffen 1.080 Kilogramm Leergewicht

Sprints, wie zum Beispiel von 90 auf 130 Kilometer pro Stunde, schüttelt der GTI G60 immer noch ziemlich locker aus dem Ärmel. Denn, das wird oft unterschätzt, der G-Lader macht aus dem Golf einen Elastizität-Meister. Der Spirallader haucht dem Vierzylinder kräftig Drehmoment ein. 225 Newtonmeter bei 3.800 Umdrehungen pro Minuten klingen auch 2016 gar nicht schlecht.

Und sie erklären, warum die Fahrleistungen des G60 zu seiner Zeit oft mit dem BMW 325i verglichen wurden. Kenner wissen, dass der Bayer der Baureihe E30, die 1989 in München angesagt war, seine Kraft aus sechs Zylindern zieht. Dank seines Motors und des Leergewichts von offiziell 1.080 Kilogramm schwänzelt der Wolfsburger auf den kurvigen Straßen in der Eifel recht locker die Berge hinauf.

VW Golf GTI G60

Mit 25 Jahren Verspätung durfte ich – wenn auch nur für einen Tag – endlich VW Golf GTI G60 fahren

Dazu kommt, dass das Fahrwerk des GTI sportlich ausgelegt ist. In einer Bergprüfung, die gleich mehrere Serpentinen bereithält, lasse ich dem Golf von der Leine. Das macht tierisch viel Spaß. Prompt laufen Karla, der Golf und ich auf einen anderen Teilnehmer auf. Mit einem Ford Eifel von 1936 ist der Anstieg in dieser Prüfung offensichtlich nicht im vorgegebenen Zeitrahmen machbar. Mit dem GTI gehen wir schließlich locker sogar ein paar Bruchteile zu früh ins Ziel dieser Wertungsprüfung.

Nach 280 Kilometern kehren Karla und ich nach Köln zurück. Ich habe jeden Meter genossen. Und weiß jetzt, was ich vor 25 Jahren verpasst habe! Vielleicht sollte ich mir jetzt endlich einen Golf GTI G60 in die Garage stellen, bevor das gar nicht mehr bezahlbar ist. Denn gute und unverbastelte Exemplare sind kaum noch zu finden. Aber wenn, dann ist der VW Golf GTI G60 ein geradezu schrecklich vernünftiger und begehrenswerter Klassiker.

2 Kommentare

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