Renault feiert den 50. Geburtstag der Alpine A 110 Berlinette

Mit einer ausführlichen Pressemitteilung weist Renault heute auf den im Oktober anstehenden runden Geburtstag des Sportwagenklassikers Alpine A110 hin. Der in Frankreich liebevoll „Plattfisch“ („Turbot“) gerufene Sportwagen wurde im Oktober 1962 auf dem Pariser „Salon de l’Automobile“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Verantwortlich für den kleinen Sportwagen war Jean Rédélé. Über den ich in der Pressemitteilung von Renault einiges erfuhr, was ich noch nicht kannte.

Jean Rédélé, Alpine Gründer, 1922-2007

Jean Rédélé, Alpine Gründer, 1922-2007 (Foto: Renault)

Der Renault Händler und Rallye-Pilot aus dem am Ärmelkanal gelegenen Dieppe bot bereits seit 1955 Sportwagen auf Renault Basis an. Zur Erinnerung an seinen Sieg beim Coupe des Alpes 1954 auf einem Renault 4 CV 1063 gründete Rédélé ein Jahr später die „Société des Automobiles Alpine“. Mit weiteren Erfolgen bei Rallyes und Langstreckenrennen machte Rédélé den Namen schnell zu einer Marke, die für viele bis heute der Inbegriff für automobilen Sportsgeist à la française ist. Zum Erfolg der Marke trug auch bei, dass Alpine-Modelle keine Hochpreis-Exoten, sondern Sportwagen für jedermann waren.

Der 1922 geborene Jean Rédélé komponierte seine Fahrzeuge aus bewährten Renault Komponenten und sorgte so dafür, dass die Sportwagen in jeder Renault Werkstatt gewartet werden können. Zudem bekam der Kunde für sein Geld bei Rédélé stets das Gefühl, in einem potenziellen Rennwagen zu sitzen. Denn bei Alpine unterschieden sich die Wettbewerbsversionen von ihren zivilen Geschwistern hauptsächlich durch das getunte Triebwerk. Bei der Optik machte man keine Unterschiede. Als ersten Alpine brachte Rédélé 1955 das kleine, leichte Sportcoupé A 106 auf Basis des Renault 4 CV heraus.

Alpine A110, Fahrwerk, Technik

Fahrwerk des Alpine A110 (Foto: Renault)

Drei Jahre später folgte der A 108, der in Grundzügen bereits die Form der legendären Alpine A 110, die wir in unserem Blog 1300ccm.de bereits vor knapp drei Jahren ausführlich vorgestellt haben, vorwegnahm. Typisch für alle Alpine ist die Kunststoffkarosserie, die auf einem Zentralrohrrahmen ruht. Zur Wartung im Rennbetrieb lassen sich Chassis und Kunststoffkarosserie meist problemlos voneinander trennen. Der Einbau des Triebwerks im Heck sorgt – gerade auf den unbefestigten Rallye-Pisten – für eine gute Traktion.

Mit dieser DNA war eine Alpine zu ihrer Zeit das perfekte Sportgerät.

Und weil im Zusammenhang mit den Sporterfolgen meist auch der Name Renault fiel, stand man in der Renault-Zentrale in Billancourt den Aktivitäten Rédélés überwiegend wohlwollend gegenüber. So sehr, dass die Sportwagen aus Dieppe ab 1965 sogar über das Renault Händlernetz angeboten wurden. Damit konnte Rédélé den Absatz seiner Fahrzeuge erheblich ausweiten, zumal Renault die Sportwagen auch außerhalb des Hexagone anbot.

Alpine A110 im Wettbewerb

Alpine A110 im Wettbewerb (Foto: Renault)

Drei Jahre später folgte der nächste Schritt, als Renault die Mannschaft von Alpine zum offiziellen Werksteam machte. Gemeinsam nahm man nun die internationalen Rallye-Pisten unter die Räder. Bereits beim Debüt Anfang 1968 verpasste Gérard Larousse bei der Rallye Monte Carlo den Sieg nur deshalb, weil Zuschauer am Col de Turini ausgangs einer Kurve Neuschnee auf die Strecke gekippt hatten. Deutlich in Führung verlor der spätere Formel 1 Teamchef Larousse in der Nacht der langen Messer die Kontrolle über seinen A 110 und fiel aus.

In den folgenden Jahren avancierte die französische Flunder genauso zum Publikumsliebling wie zum Seriensieger. Als Krönung der Renault Alpine Motorsportaktivitäten gelten der Gewinn der internationalen Markenmeisterschaft 1971 und der Gewinn der ersten Rallye-Weltmeisterschaft 1973. In beiden Jahren gelangt den Alpine Piloten zudem ein spektakulärer Dreifachsieg bei der Rallye Monte Carlo. Dazu gelangen Erfolge bei allen wichtigen Rallye-Veranstaltungen. Mit der A 110 gewann man viermal bei der Tour de Corse auf Korsika (1968, 1970, 1972, 1973) sowie je dreimal bei der Akropolis-Rallye (1970, 1971, 1973), der Rallye San Remo (1970, 1971, 1973) und dem Coupe des Alpes (1968, 1969, 1971).

Produktion des A110 im Alpine-Werk Dieppe

Produktion des A110 im Alpine-Werk Dieppe (Foto: Renault)

Die Rallye-Erfolge trieben den A 110-Absatz in neue Höhen: 1971 – immerhin neun Jahre nach der Vorstellung des kleinen Sportwagens – verlassen 1.029 Exemplare der Berlinette die Fabrik in Dieppe, so viel wie nie zuvor. Und selbst als dank einer Minderheitsbeteiligung von Renault 1971 der Bau einer neuen Fabrik sowie das Angebot eines weiteren Modells, der A 310 möglich werden, blieb der A 110 der Topseller der Firma.

Obwohl Renault 1973 die Aktienmehrheit erwarb blieb Jean Rédélé nach einer Vereinbarung mit Renault-Chef Pierre Dreyfus Vorstandsvorsitzender. Die Ölkrise 1973 hinterlies in den Zulassungszahlen deutliche Spuren, doch das Konzept der A 110 hatte sich noch nicht überlebt. Denn als 1976 der Ölschock verdaut war, erlebte die A 110 nochmals so etwas wie einen Boom. Mit 907 Stück erlebte „le Turbot“ 14 Jahre nach seiner Premiere sein zweitbestes Verkaufsjahr. Bis 1978 verkaufte Jean Rédélé Schritt für Schritt alle Anteile der Firma an Renault.

Messepräsentation der Firma Alpine

Messepräsentation der Firma Alpine (Foto: Renault)

Die „Société des Automobiles Alpine“ wurde ein Bestandteil der Régie Nationale. Jean Rédélé, der 2007 starb, verlies das Unternehmen, rang Renault jedoch die Zusage ab, die Arbeitsplätze in Dieppe für mindestens 15 Jahre zu garantieren. Doch Renault dachte offensichtlich gar nicht daran, das Werk zu schließen. Sowohl die legendären „Backenturbo“ Renault 5 Turbo, die Clio Renault Sport V6 als auch die Mégane Sport der Gegenwart stammen aus der Fertigung in der Normandie.

2 Kommentare

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