Lotus F1 Team protestiert für die Rechte Homosexueller – zumindest für ein paar Stunden

Freitag saß ich nach der Arbeit im Zug und scrollte durch meine Twitter-App. Leicht verwundert sah ich das Foto von zwei Männern, die sich offensichtlich nicht mit dem früher im Osten üblichen Bruderkuss herzten. Das Formel-1-Team Lotus F1 Team hatte es kurz vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi gepostet.

Ein Tweet als politische Botschaft.

Ein Tweet als politische Botschaft.

Das Formel-1-Team im Besitz einer Kapitalanlagegesellschaft fällt seit einiger Zeit immer wieder durch gezielte Provokationen auf. Dabei werden schonmal Wettbewerber offen provoziert oder die FIA und ihre regelverantwortlichen kritisiert. Doch eine politische Botschaft, die sich offen gegen die Politik in einem Land richtet, war neu. Und hat offensichtlich hinter den Kulissen für einigen Wirbel gesorgt.

Erst vor ein paar Wochen hat die Kapitalanlagegesellschaft angekündigt, zehn Prozent der Anteile am Team nach Russland zu verkaufen. Der russische Mobilfunkanbieter Scartel will mit einem Engagement in der Formel 1 und seiner Marke Yota werben. Diese führt zurzeit mit dem YotaPhone das erste russische Smartphone ein. Nicht auszuschließen, dass dieser Hintergrund eine Rolle gespielt hat, als der Tweet nach wenigen Stunden gelöscht wurde.

Die Entschuldigung von Lotus.

Die Entschuldigung von Lotus.

Doch damit nicht genug!

Natürlich wissen die Profis bei Lotus, dass das Internet – wie dieser Artikel beweist – nicht vergisst. Als ging Lotus in die Offensive und erklärte den Tweet als nicht autorisiert. Das immerhin professionell. Denn anders als die „PR-Profis“, die den gnadenlos gescheiteren letzten Kanzlerkandidaten der SPD beraten haben, verzichtete Lotus wenigstens auf ein Märchen vom Hackerangriff.

Man muss den Tweet ja nicht zwingend (inhaltlich) teilen. Man kann die Botschaft sogar für überflüssig halten. Allerdings ist es nicht glaubwürdig, dass man sich bei Lotus F1 vor der Veröffentlichung im Haus nicht inhaltlich abgestimmt hat. Dafür agiert das Unternehmen zu professionell.

Auf Twitter wurde das Posting, wenn überhaupt, zudem überwiegend positiv kommentiert. Dort hat es keine großen Proteste hervorgerufen. Und so offenbart sich mit dem Löschen das eigentliche Problem. Denn es ist erschreckend, wie Geschäfte die freie Meinungsäußerung beeinflussen. Natürlich ist das keine Überraschung. Aber trotzdem sollte uns das ein #Aufschrei wert sein.

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