Jaguar XJ-S – einer meiner „All Time Favorite“

Es gibt Autos, die vergisst man nie. Eine mehr oder minder kurze Begegnung reicht, um das betreffende Auto sofort in den Rang eines „All Time Favorite“ zu erheben. Für den Verfasser dieser Zeilen gehört der Jaguar XJ-S uneingeschränkt in diese Kategorie. Der Nachfolger des bekannten E-Type wurde im September 1975 auf der IAA in Frankfurt am Main vorgestellt und sollte vom britischen Traditionshersteller schließlich bis zum April 1996 gebaut werden. Meine erste Begegnung mit diesem Sportwagen hatte ich Ende der 1970er-Jahre. Eine Tante hatte sich den eigenwilligen Gran Turismo Grand Touring gekauft.

Damit konnte man im Pausengespräch auf dem Schulhof damals richtig glänzen. Denn diesen stilvollen Briten konnte in der Klasse niemand in seiner Verwandtschaft vorweisen. Eine S-Klasse oder auch ein Porsche 911 waren vertreten. Doch sie wirkten in den frühen 1980er Jahren im Vergleich zu diesem Jaguar ein Brot-und-Butter-Auto. Als Jaguar dann ab 1982 mit dem vom „Tom Walkinshaw Racing“ eingesetzten XJ-S die Tourenwagen-Europameisterschaft bestritt, hatte sich der XJ-S endgültig in meine erste Liga gefahren. Und auch wenn Jaguar in der Herstellerwertung in den folgenden Jahren stets an Alfa Romeo scheitern sollte, war das Engagement von Erfolg gekrönt. Tom Walkinshaw sicherte sich 1984 am Steuer seines XJ-S den Titel des Tourenwagen-Europameisters. Ein Titel, der den Vorgängern am Steuer des XK und oder des E-Type übrigens stets verwehrt geblieben war.

Auf dem Weg zum Titel erwies sich „Major Tom“ übrigens auch damals schon als recht trickreich. Beim „Großen Preis der Tourenwagen 1983“ blieb der Schweizer Jaguar-Pilot Enzo Calderari in der ersten Trainingsrunde noch vor Breitscheid mit einem Motorschaden liegen. Da sich der 12-Zylinder-Motor des XJ-S damals nicht mal eben wechseln lies, soll Walkinshaw einfach die Startnummer des Wagens von Calderari auf seinen identisch lackierten XJ-S geklebt haben. Mit diesem Fahrzeug reichte es für Calderari und seinen Partner Dieudonne schließlich zum vierten Startplatz. Natürlich auch, weil sich die Rennleitung damals sicher war, dass der Motor tatsächlich zwischen den Trainingssitzungen gewechselt werden konnte. In ihren Augen hatten die Mechaniker das definitiv Unmögliche möglich gemacht.

Vielleicht waren es auch diese Geschichten, die dafür sorgten, dass die Berichte den Rennen der Tourenwagen-Europameisterschaft in der „rallye racing“ oder der „sport auto“ damals auf unserem Schulhof gierig verschlungen wurden. Mit ganz viel Glück gab es in der „SPORTreportage“ des ZDF einmal bewegte Bilder vom Jaguar XJ-S und seinen Wettstreitern. Aber
erst dank des Internets lernte ich an einem der verschneiten
Winterabende dieses Winters einen Bericht über das 1985er „Bathurst
1000“ kennen. Dort sicherte sich Tom Walkinshaw mit dem XJ-S und einer sehenswerten Runde mit einem Vorsprung von fast einer Sekunde die Pole Position.

Im Rennen sollte es für Walkinshaw persönlich übrigens nicht so gut laufen. Nach ein paar kleineren Problemen reichte es dort nämlich am Ende nur zum dritten Rang. Abgeschlagen drei Runden hinter den Zweiten Johnny Cecotto und Roberto Ravaglia (BMW 635CSi) sowie den Siegern John Goss und Armin Hahne, die in der zweiten Katze aus Coventry unterwegs waren und das legendäre Rennen 1985 für sich entscheiden konnten.

5 Kommentare

  1. Spannend, denn der scheint wohl mindestens 12 Monate zum Verkauf zu stehen. Und sollte im Januar 2009 freundliche €80.000,–. Nun wird er – jetzt im Januar 2010 – für nur noch €50.000,– angeboten.

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