Es wurde mal wieder Zeit für deutliche Worte

Ich mag den historischen Motorsport. Denn die Autos, die dort bewegt werden, lassen den Pilotinnen und Piloten noch richtig Raum, um ihr Fahrkönnen zu entfalten. Die Rennwagen verfügen nicht über elektrische Regelsysteme, die eingreifen, wenn die Software es für notwendig hält und meist schon vorher das Tempo reduziert.

Seit rund zehn Jahren bin ich regelmäßig bei Veranstaltungen des historischen Motorsports. Mit wenigen Ausnahmen sind diese Veranstaltungen unfallfrei geblieben. Allenfalls ein paar Blechschäden gab es, niemand hat sich richtig verletzt. Nur einmal hatte ich die Befürchtung, dass nun die Stunde gekommen sei.

Bei einer Veranstaltung in Hockenheim war ich eingeladen, um als Experte den Zuschauern den Kampf der Zwerge zu erklären. Damals hatte ich das erst einige wenige Male gemacht, entsprechend aufgeregt saß ich in der Sprecherkabine und wartete auf meinen Einsatz. Auf der Strecke lief noch ein anderes Rennen.

Plötzlich wurde es laut!

Neben der Sprecherkabine in Hockenheim sitzt die Rennleitung. Oft stehen beide Türen offen, um die Lüftung in dem Turm zu verbessern. Die Hektik hatte ein lautes „Abbruch“ des Rennleiters ausgelöst. Ich blickte auf die Monitorwand, die dem Streckensprecher damals in Hockenheim noch die gesamte Strecke anzeigte. Auf einem der Monitore sah ich einen kleinen Lotus, der draußen auf der Strecke am Streckenrand abgestellt war.

Das Fahrzeug hatte offensichtlich die Leitplanken berührt. Eine größere Beschädigung war jedoch nicht zu erkennen. Und irgendwie war das Fahrzeug ungewöhnlich abgestellt. Außerdem machte der Fahrer keine Anstalten, um sein Fahrzeug zu verlassen. Später erfuhr ich, dass der Pilot während der Fahrt die Besinnung verloren hatte, und dann am Streckenrand war ausgerollt.

In den folgenden Minuten konnte ich auf dem Monitor verfolgen, wie der Fahrer geborgen und wiederbelebt wurde. Zum Glück erfolgreich, denn die Rettungskräfte holten den Piloten wieder ins Leben zurück. Bisher habe ich über diese Geschichte nirgendwo etwas geschrieben. Eigentlich wolle ich das auch nie tun, doch ein Kommentar in der ehemaligen Fachzeitung MOTORSPORT aktuell erinnerte mich jetzt an diese Erlebnisse.

In Hockenheim war Hilfe möglich, anders als zuletzt im Rahmenprogramm der Rallye Deutschland. Dort verunglückten Rob de Vos und Marcel Benning tödlich. Jede Hilfe kam zu spät. Das ist tragisch und am Ende immer die Verkettung zahlreicher Faktoren. Trotzdem würde mir nie einfallen, einen verunglückten Motorsportler als unglückseligen Amateur in einem Uralt-Rallyeboliden zu beschimpfen.

Aber ich bin ja auch nur ein kleiner Blogger. Unter „Journalisten“ scheint dieser Anstand schon mal abhandenzukommen. Denn der Chefredakteur der Wochenzeitung MOTORSPORT, eine ehemaliger Autobild Mitarbeiter, aktuell nutzt genau diese Worte, um sein Urteil über den tödlichen Unfall von Rob de Vos und Marcel Benning zu publizieren. Das ist ziemlich peinlich und zeigt, wie ich in unserem großen Auto-Blog geschrieben habe, wer der eigentliche Amateur ist.

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