Ein bisschen Führer geht immer!

In schöner Regelmäßigkeit tauchen gerade in den letzten Monaten Oldtimer aus einer dunklen Epoche der deutschen Geschichte auf. Beim Verkauf dieser Fahrzeuge scheint es inzwischen mehr oder minder üblich zu sein, dem Oldtimer die Nutzung durch einen möglichst hohen Nazi anzudichten. Auch wenn dies nicht immer haltbar ist.

Die Welt, die sonst in Oldtimer-Fragen nicht immer Ernst zu nehmen ist, hat in einem Artikel sehr schön dokumentiert, dass ein vor Kurzem in den USA als „Auto von Adolf Hitler“ bezeichnetes Fahrzeug definitiv nicht dem Umfeld des Diktators zugerechnet werden kann. Eine Einschätzung, die bei anderen angebotenen Fahrzeugen aus dieser Zeit ähnlich zutreffend sein dürfte.

Und so offenbaren die Anzeigen zum Angebot entsprechender Oldtimer immer auch eine gewisse Komik. Denn ihre Betextung erinnert die Szene im Kinofilm „Schtonk!“ wo der Kunstfälscher „Prof. Dr.“ Fritz Knobel versucht, einem Industriellen und Alt-Nazi ein vermeintlich von Hitler gemaltes Bild zu verkaufen. Als Knobel, gespielt von Uwe Ochsenknecht, das Bild zeigt, erfindet ein sogenannter Experte, der ebenfalls Geschäfte mit dem Industriellen macht, eine Geschichte, wie er Zeuge der Entstehung des Bildes wurde.

Ein Mercedes ist eben kein Bugatti

Offensichtlich gehen die Anbieter der Oldtimer davon aus, dass der Bezug zu den Größen des Regimes hilft, um die Erlöse für die Fahrzeuge zu verbessern. Da ein Mercedes auch am Ende der 1930er-Jahre kein seltenes Fahrzeug mehr war, sollen die „prominienten“ ehemaligen Besitzer bzw. Nutzer helfen, den Preis nach oben zu treiben. Dabei ist es zum Teil erschreckend, wie unkritisch entsprechende Anzeigen von den Zeitungen und Internetportalen veröffentlicht werden.

Offensichtlich wollen sich alle ihren „Anteil“ an den gerade zu beobachtenden und aus meiner Sicht völlig überbewerteten Oldtimerpreisen sichern. Dabei ist es scheinbar auch völlig unwichtig, wie das Fahrzeug einst den Weg nach Russland oder in die USA gefunden hat. Ob Opa den Mercedes oder Horch schlicht gestohlen hat, interessiert heute keinen mehr.

Das Vergehen ist ja inzwischen sowieso verjährt und daher werden die Beutestücke gerne verharmlosend als „Souvenir“ bezeichnet. Eine ernst zu nehmende Provenienzforschung, wie im Kunst-Sektor, existiert offensichtlich nicht – obwohl gerade Mercedes mit einem wunderbaren Archiv gern zur Aufklärung beiträgt. Um so mehr bleibt die Frage, was einen eigentlich zum Kauf so eines Oldtimers motiviert.

2 Kommentare

  1. Das kauft wer Opas alte Uniform im Schrank hat. Dann kann man endlich in der Auffahrt die Parade der Gartenzwerge abnehmen …

  2. … und Mutti stecken wir dann ins BDM-Kostüm! Wurde ja auch mal Zeit für etwas Neues, denn das Stewardess-Outfit mußte endlich mal in die Reinigung.

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