Delta Wing: Ausblick in die Zukunft oder doch eher ein Blick in die Vergangenheit?

Delta Wing (Copyright: Highcroft Racing)

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans ist bis heute ein Experimentierfeld für Tüftler geblieben. Nur hier finden Teams und Hersteller im Regelwerk noch den Freiraum, um beim Bau ihrer Rennwagen auch einmal Ideen zu verfolgen, die – sagen wir es vorsichtig – etwas abseits der eingefahrenen Denkmuster entsprungen sein müssen.

Der Veranstalter AUTOMOBILE CLUB DE L’OUEST unterstützt dieses Ansinnen nach Kräften. Und so darf im kommenden Sommer darf der getaufte Delta Wing Rennwagen von Highcroft Racing an den Start rollen. Auch wenn der ungewöhnliche Rennwagen das Rennen außerhalb der Wertung bestreitet, wird dem Projekt in den kommenden Wochen sicherlich eine Menge Aufmerksamkeit zu teil werden.

Fans und Sympathisanten haben das bisher schwarze Gefährt in Anlehnung an die Fahrzeuge des Komikhelden Batman im Internet längst auf den Namen Batmobile getauft. Andere vergleichen den Rennwagen mit Weltrekordfahrzeugen wie den Spirit of America genannten Fahrzeugen von Craig Breedlove.

Firmen wie Michelin oder Nissan versuchen als Sponsoren und Technikpartner des amerikanischen Teams Highcroft ein Stück der Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Reifenfirma unterstützte bereits den ersten öffentlichen Auftritt des Delta Wing im vergangenen Herbst in Road Atlanta. Nissan gab jüngst seinen Einstieg als Motorenpartner bekannt.

In der Tat, sieht der Delta Wing aufregend aus!

Bereits beim ersten Blick auf den Delta Wing fallen das mit einem Leitwerk ungewöhnlich gestaltete Heck sowie die schmale Front auf. Dazwischen haben die Entwickler dann das Cockpit gepflanzt. Spötter sagen, dass das Ganze an eine stecken gebliebene Metamorphose von einem Formel-Rennwagen zu einem Kampfjet erinnert. Wohlwollende führen an, dass der Delta Wing, anders als der Red Bull X1, Realität geworden sei.

Trotzdem wirkt die Schnauze des Delta Wing, als ob die Entwickler an einem Formel-Chassis die Aufhängungselemente gekürzt und die Karosserie über die Räder hinausgeführt haben. Doch während in der Formel 1 und auch bei den führenden Le Mans Prototypen seit einigen Jahren die Aufhängungselemente direkt am Kohlefaser-Fahrgestell befestigt werden und die Fahrzeuge ohne eine über das Monocoque gelegte Karosserie auskommen, stammt der Delta Wing offensichtlich aus einer anderen Zeit.

Rahmen zum Abstützen der Vorderachse des Delta Wing

Rahmen zum Abstützen der Hinterachse des Delta Wing

Im Video vom 13. März 2012 offenbart das Team einen Blick unter die Kunststoffhülle. Nach rund 25 Sekunden sieht man in dem Video, dass sich die Konstruktion der Hinterachse des Delta Wing auf einen Stahlrahmen stützt. Fast möchte man also meinen, dass nicht die Zukunft, sondern Oldtimer wie der Maserati Birdcage das Vorbild für den Delta Wing abgegeben haben. Wobei man den Konstrukteuren wahrscheinlich zu Gute halten muss, dass der von einem Nissan-Serienaggregat abstammende Motor – anders als heutige Formel 1 Motoren – wohl nicht als tragendes Element in das Fahrzeug integriert werden kann.

Fotonachweis: Highcroft Racing

2 Kommentare

  1. So schrecklich veraltet ist das gar nicht, denn das Problem mit den Hilfsrahmen wird die Formel 1 ja in Zukunft auch bekommen, wenn die auf 1,6 Liter Motoren umsteigen.

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