Dardaismus

Für den heutigen Blogeintrag hat sich das Oldtimer-Revier ein Darda-Auto ausgesucht. Viele unser Leser erinnern sich sicherlich noch an die kleinen Flitzer, die durchaus erstaunliche Geschwindigkeiten erreichen konnten.

Darda-Jeep

Für diese Geschwindigkeit sorgte ein sogenannter Uhrwerkmotor, der sich im Gegensatz zum herkömmlichen Rückziehmotor wie eine Armbanduhr in beide Richtungen aufziehen lässt. Erfunden wurde dieser Motorentyp circa 1970 von Reinhold Schoch und Helmut Darda, zwei Tüftlern aus dem mittleren Schwarzwald. Interessanterweise meldeten sie ihre Erfindung wohl erst 1984 zum Patent an.

Aber unabhängig von einem Patent waren die kleinen Flitzer ab 1971 in Handel verfügbar und entwickelten sich in den Kinderzimmern der 1970er oder 1980er Jahre schnell zu einem Massenphänomen. Von der Größe her mit den bekannten Matchbox-Autos vergleichbar, machte der kleine Schwungradmotor die Autos viel cooler. Dazu kam das Bahnsystem, dessen einfache Kunststoffschienen wurden von den Nachwuchs-Tilkes täglich neu zusammengesteckt, um die Steilkurven, Kreuzungen und Loopings möglichst variabel durch das meist kleine eigene Reich zu führen. Dabei entstanden Konstruktionen, die heutige Kinder wohl überwiegend nur aus ihren TrackMania-Welten kennen.

Höhepunkt des Dardaismus war 1985 zweifelsfrei der Ausflug eines Darda-Autos und einer Darda-Bahn in das Weltall. Mit dieser Aktion wollte die NASA das Interesse von Kindern für die Raumfahrt gewinnen. Und so führten an Bord der Discovery die Astronauten der Space-Shuttle-Mission STS-51-D vom 12. bis 19. April 1985 mit einem „einfachen Kinderspielzeug“ (Zitat!) Versuche in der Schwerkraft durch.

Der Hersteller, die in der Patentschrift von 1984 genannte „Helmut Darda Spielwaren- und Maschinenbau GmbH“ verkaufte die Marke und die Patente wohl Anfang der 1990er-Jahre in die USA. Die neuen Herren verlegten die Produktion nach China und verloren zunehmend Marktanteile an den Wettbewerber „Hot Wheels“. So erfreut sich heute nur noch eine verhältnismäßig kleine, aber treue Fangemeinde an den Darda-Bahnen und -Fahrzeugen. Die Könige des Dardaismus sind zweifelsfrei zwei Australier, die sich „Darda_Brothers“ nennen. In ihren Videos komponieren sie Darda-Bahnen zu Gesamtkunstwerken und erzählen mit den kleinen Flitzern Geschichten.

1 Kommentar

  1. Hallo,
    es gibt tatsächlich noch Kinder, die diese Autos sammeln. Ich habe neulich noch eines zum Geburtstag verschenkt. Coole, kleine Karren!
    Grüße emmofly

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